EIN LABEL GEHT UM DIE WELT

Spiegel-Online vom 26.08.2008, Von Tietz, Janko
Mit “Made in Germany” avancierte Deutschland zur drittgrößten Wirtschaftsnation. Mit dem Gütesiegel verbindet man solide Verarbeitung und Langlebigkeit. Dabei war es einst ein Warnhinweis.
Zwei der skurrilsten Exemplare deutscher Wertarbeit liegen in einer Vitrine des kürzlich eröffneten Deutschen Uhrenmuseums im sächsischen Glashütte. Es sind Ausführungen analoger Armbanduhren der Baureihe Spezimatic, Baujahr 1966, eines Zeitmessers mit vergoldetem Stahlrahmen, automatischem Aufzug und edlem Perlmutt-Ziffernblatt. In einem Quelle-Katalog aus der Frühjahr/Sommer-Saison desselben Jahres – in der Vitrine direkt daneben drapiert – sind beide Uhren abgebildet. Die eine unter der Quelle-eigenen Marke “Anker”, damals zu haben zwischen 149 und 298 Mark. Etwas tiefer fand der kundige Käufer eine leicht abgewandelte Uhr unter der Bezeichnung “Glashütte” zu Preisen zwischen 39,50 und 69 Mark, zu Preisen also, die sich, so die Quelle-Werbung, “jeder leisten kann”.

Was der damalige Konsument nicht wissen konnte: Beide Uhren stammen aus ein und derselben Firma, dem VEB Glashütter Uhrenbetriebe. Und auf beiden Uhrenböden prangte wie selbstverständlich der Schriftzug “Made in Germany”.
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